Einführung in Brainrot
Stell dir ein Wesen vor, halb Elefant, halb Kaktus, das in übergrossen Sandalen durch eine
endlose Wüste stapft,
ein Baseballschläger der einen Baseballschläger hält und vieles mehr.
Solche Kurzvideos sind in sozialen Netzwerken extrem beliebt und gelten als typisch für ein neues
Internet-Subgenre:
Brainrot.
«Je verwirrender, desto besser.» – inoffizielle Regel der Brainrot-Videos
- Lirili Larila
- Tralalero Tralala
- Bombardino Crocodilo
- Brr Brr Patapim
- Bribri Bicus Dicus
- Ballerina Cappuccina
Andere bekannte Namen:
Special Angebot
Was bedeutet Brainrot?
Der Ausdruck Brainrot setzt sich aus den Wörtern «Brain» (Gehirn) und «Rot» (verrotten) zusammen. Er spielt auf das diffuse Gefühl an, das entsteht, wenn man auf Instagram, YouTube oder TikTok zu viele scheinbar sinnlose Videos konsumiert.
Brainrot-Videos sind bewusst absurd gestaltet. Die meisten dauern nur wenige Sekunden. Ihr Ziel: möglichst komisch und möglichst irritierend zu wirken. Sie bestehen aus hektisch geschnittenen Sequenzen, Wortwitzen, überdrehten Soundeffekten, Animationen oder bizarren Figuren.
| Begriff | Bestandteile | Bedeutung |
|---|---|---|
| Brain | Gehirn | Verweist auf Wahrnehmung, Aufmerksamkeit und Denken. |
| Rot | Verrotten | Steht für die Verwirrung, welche man spürt bei einem solchen Video. |
| Brainrot | Internet-Subgenre | Möglichs verwirrende Inhalte, KI Videos. |
Laut Oxford-Wörterbuch stieg die Verwendung des Begriffs «Brainrot» zwischen 2023 und 2024 um 230 Prozent. 2024 wurde er zum Oxford-Wort des Jahres gekürt.
Quelle Oxford Languages – Wort des Jahres 2024: BrainrotTypische Merkmale von Brainrot-Videos
- Sound KI Stimme mit italienischem Akzent, welche italienisch klingende Wörter spricht.
- FigurMix aus unterschiedlichen Objekten, meist mit Tieren verbunden.
- KI Durch KI kann jeder ganz einfach seine eigenen Figuren erstellen, und viral gehen.
Wirkung auf Aufmerksamkeit und Alltag
Studien deuten darauf hin, dass ein übermässiger Konsum solcher Kurzvideos die Aufmerksamkeitsspanne sowie die Impulskontrolle beeinflussen kann. Gleichzeitig nutzen viele Jugendliche Brainrot bewusst als Entspannung, um dem ständigen Leistungs- und Selbstoptimierungsdruck etwas entgegenzusetzen.
| Aspekt | Positive Seite | Kritische Seite |
|---|---|---|
| Aufmerksamkeit | Schnelle Reizwechsel können kurzfristig unterhalten. | Langfristig möglicherweise geringere Fokussierungsphasen. |
| Entspannung | Kurze Flucht aus Stress und negativen Nachrichten. | Verdrängung komplexer Themen zugunsten einfacher Reize. |
| Humor | Gemeinsames Lachen über absurden Unsinn. | Problematische Inhalte können hinter Humor versteckt sein. |
Bei entsprechenden Videos gilt: je verwirrender, desto besser. Wie ausgeprägt die Absurdität inzwischen ist, zeigen neue KI-Videos, die sich mit minimalem Aufwand erzeugen lassen.
Geschichte des Begriffs «Brainrot»
Der Begriff «Brainrot» reicht bis ins 19. Jahrhundert zurück. Der amerikanische Schriftsteller Henry David Thoreau verwendete ihn 1854 erstmals. Es war eine Kritik daran, dass die Gesellschaft aus seiner Sicht komplexe Gedanken zugunsten vereinfachter Vorstellungen verdrängte.
Nach Thoreau geriet der Ausdruck weitgehend in Vergessenheit – bis er in den 2000er-Jahren auf Twitter wiederentdeckt wurde. Eine Nutzerin verwendete ihn, um die neu aufkommenden Dating-Serien zu kritisieren: Formate mit simplen Handlungsmustern, schnellen Pointen und bewusst intellektueller Anspruchslosigkeit.
Grössere Bekanntheit erlangte der Begriff im Jahr 2023. Er wurde benutzt, um einen absurden Clip aus der Internetserie «Skibidi Toilet» des Künstlers Alexei Gerasimow zu beschreiben:
«Im Video sieht man eine heruntergekommene Wohnung mit blassen Tapeten, einem schmalen Flur und einem einzelnen WC. Im Hintergrund läuft ein Remix des Hits ‹Give It to Me› von Nelly Furtado und Justin Timberlake. Die Kamera zoomt auf die Toilettenschüssel – bis plötzlich ein menschlicher Kopf daraus auftaucht und zu singen beginnt: ‹Brrr, skibidi bop bop dob yes yes›.»
Das Video wurde auf YouTube eine Viertelmilliarde Mal angeklickt. Wer das schaue, so der einschlägige Tenor im Internet, der schade seiner Gesundheit – er verübe Brainrot.
Erste Verwendung des Begriffs «Brainrot» durch Henry David Thoreau.
Wiederentdeckung auf Twitter zur Kritik an simplen Dating-Formaten.
Viralität durch «Skibidi Toilet» und andere absurde Internetserien.
«Brainrot» wird Oxford-Wort des Jahres.
Nutzen und Gefahren von Brainrot
Ob der Konsum von Videos wie jenem der «Skibidi Toilet» gesundheitsschädlich ist, untersucht inzwischen auch die Wissenschaft. Studien deuten darauf hin, dass ein übermässiger Konsum solcher Kurzvideos die Aufmerksamkeit sowie die Impulskontrolle beeinträchtigen kann. Allerdings sind kausale Zusammenhänge der Forschung zu Social Media schwer zu belegen.
Etliche Wissenschafter zweifeln an der Brainrot-Theorie. Andere betonen, dass das scheinbar «Unsinnige» eine Entlastung aus dem Alltag bieten kann, insbesondere für Jugendliche, die den Leistungsdruck und die Flut negativer Nachrichten als Überforderung empfinden.
«Wenn es um Internetkultur wie Brainrot-Videos oder Memes geht, ist ein bewusster, visuell geschulter Umgang wichtig. Es sei wichtig, solche Inhalte nicht reflexartig als Unsinn oder Schrott abzutun. Wer erkenne, dass selbst vermeintlich banale Videos bestimmte Funktionen erfüllten, werde auch aufmerksamer darin, ihren Nutzen und ihre Gefahren zu sehen.»
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